Heroisch und verklärt. Der Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur

Bauernkrieg Salzburg Ausstellung

Die neue Ausstellung im DomQuartier Salzburg eröffnet am 8. November 2025 und widmet sich einem der prägendsten Kapitel der europäischen Geschichte: dem Bauernkrieg. Zwischen 1524 und 1526 erhoben sich hunderttausende Menschen in Mitteleuropa gegen Feudalherrschaft, geistliche Machtstrukturen und soziale Ungleichheit. Auch Salzburg war vom Aufstand massiv betroffen. Der Konflikt brachte das Fürsterzbistum 1525 an den Rand des Zusammenbruchs und wurde später zu einem Symbol für Widerstand, Gerechtigkeit und die Kraft kollektiver Bewegungen.

Die Schau wurde vom Salzburg Museum kuratiert und untersucht, wie der Bauernkrieg im Laufe der Jahrhunderte gedeutet, romantisiert oder instrumentalisiert wurde. Kunstwerke aus unterschiedlichen Epochen zeigen, wie sich Interpretationen verändern, wenn gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen unter Druck geraten.

Ein Blick in die Geschichte: der Salzburger Bauernkrieg 1525/26

Der sogenannte Deutsche Bauernkrieg fasste viele regionale Aufstände unter einem Begriff zusammen. Tatsächlich waren die Beweggründe verschieden: wirtschaftliche Ausbeutung, mangelnde politische Mitbestimmung, religiöse Spannungen und das Streben nach Selbstbestimmung. In Salzburg eskalierte die Situation besonders heftig. Handwerker, Bergleute und Bauern organisierten sich gegen die Obrigkeit, und die Belagerung der Festung Hohensalzburg wurde zum Sinnbild einer ganzen Epoche des Aufbegehrens.

Die Ausstellung zeigt zentrale historische Darstellungen dieser Zeit, darunter Werke von Aloys Wach, Fritz Dürnberger oder Georg Pezolt. Sie vermitteln, wie stark der Bauernkrieg bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Teil regionaler Identität wahrgenommen wurde.

Kunst zwischen Deutung, Projektion und Ideologie

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Frage, wie autoritäre Systeme den Bauernkrieg für ihre Botschaften nutzten. Kunstwerke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts belegen, wie Regime historische Revolten umdeuteten, um sie für Propaganda einzusetzen. Der Bauernkrieg wurde mal heroisiert, mal als Warnung vor Aufruhr gedeutet, mal als Symbol für nationale Stärke missbraucht.

Besonders eindrucksvoll sind die Arbeiten von Käthe Kollwitz. Ihr berühmter Zyklus zum Bauernkrieg, entstanden zwischen 1902 und 1908, zeigt das Leiden, die Hoffnung und die Menschlichkeit der Beteiligten – fernab jeder ideologischen Verzerrung. Ihre Blätter gehören zu den stärksten künstlerischen Auseinandersetzungen mit sozialer Ungerechtigkeit und kollektiver Gewalt.

Vom 16. Jahrhundert bis heute: neue Perspektiven auf alte Konflikte

Die Ausstellung spannt den Bogen bis in die Gegenwart und zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler den Bauernkrieg in Zeiten politischer Umbrüche immer wieder neu aufgreifen. Ob als Spiegel sozialer Spannungen, als Metapher für Widerstand oder als Kommentar zu Machtstrukturen – das Thema bleibt aktuell. Die Schau lädt Besucher ein, über historische Kontinuitäten nachzudenken und die Bedeutung kollektiver Bewegungen im Lauf der Zeit neu zu betrachten.

Führungen und Vermittlung

Im Rahmen der Ausstellung finden kuratierte Rundgänge, thematische Führungen und ein offenes Gesprächsformat mit Expertinnen und Experten statt. Die Termine bieten vertiefte Einblicke in historische Hintergründe, künstlerische Positionen und die gesellschaftliche Relevanz des Bauernkriegs.

Kuratorinnen: Cornelia Mathe und Andreas Zechner
Führungstermine sind direkt vor Ort oder über die zentrale Anmeldung erhältlich.

Ausstellungstermine

Samstag, 8. November 2025 bis Montag, 27. April 2026
Ort: Nordoratorium im DomQuartier Salzburg
Eine Ausstellung des Salzburg Museum im Rahmen eines Gastspiels

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