Camuflajes – Zechner und Serrano

Camuflajes Graz

7. November 2025 bis 22. März 2026 | Neue Galerie Graz

Mit „Camuflajes“ präsentiert die Neue Galerie Graz ein Projekt, das Malerei und Literatur zu einem gemeinsamen künstlerischen Statement zusammenführt. Der Grazer Künstler Johannes Zechner und der in Mexico City lebende Dichter Pedro Serrano arbeiten seit mehreren Jahren an dieser transkontinentalen Kollaboration. Ihre Auseinandersetzung gilt einer Welt, in der Lebensräume zu Konfliktzonen werden und Kriege zum globalen Grundrauschen gehören.

Tarnung als Sprache unserer Gegenwart

Ausgangspunkt ist die Idee der Camouflage – eine uralte Überlebenstechnik, die ursprünglich aus der Natur stammt und heute in militärischen Kontexten eine beunruhigende Schärfe besitzt. Zechner greift diese Muster in Form echter Camouflage-Stoffe und Kleidungsstücke auf. Fragmente, die wie Überreste realer Konflikte wirken, werden von ihm aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und in einen neuen Bildraum übertragen. Ihr Schrecken bleibt bestehen, auch wenn die Muster längst als Modezitat kursieren und sich in den Alltag eingeschrieben haben.

Die Camouflage wird so zu einer Bildsprache über Schutz, Täuschung und die Entfremdung zwischen Mensch und Umwelt.

Material als Träger von Erinnerung

Zechner kombiniert die Stoffe mit zerlegten Verpackungen aller Art – Tablettenschachteln, Lebensmittelverpackungen oder Büromaterial. Diese flachgelegten Objekte verlieren ihre Funktion und werden zu Bildträgern einer Welt, deren Fragilität sich in den alltäglichen Dingen spiegelt.

Die Leinwände entstehen aus Collagen unterschiedlicher Materialien, die Zechner übermalt und zu vielschichtigen Oberflächen verdichtet. In diese Bildräume integriert er Worte und Gedichte von Pedro Serrano, der für das Projekt rund fünfzig Texte verfasst hat. Die Erfahrung von Gewalt in seinem Heimatland und die weltpolitischen Ereignisse seit 2022 fließen ebenso ein wie seine Reaktion auf Zechners visuelle Sprache.

Ein künstlerischer Dialog über Krieg und Menschlichkeit

Die Ausstellung verweist eindringlich auf die zunehmende Zahl bewaffneter Konflikte weltweit. Sie zeigt, wie Kunst einen Resonanzraum eröffnet, in dem Fragen nach Empathie, Verantwortung und Wahrnehmung neu gestellt werden. Zechner und Serrano formulieren keine Lösungen, aber sie fordern eine Haltung ein – ein Mitfühlen, das Voraussetzung jeder Veränderung ist.

Beide Künstler sind sich bewusst, dass Kunst nicht die Welt verändert, wohl aber jene, die sich auf sie einlassen. Ihre Zusammenarbeit schafft einen Dialog, der über Materialien, Texte und Bilder hinweg eine tiefe menschliche Dimension entfaltet.

Kuratorische Handschrift

Kuratiert wurde die Ausstellung von Günther Holler Schuster, der die komplexe Zusammenarbeit der beiden Künstler in eine klare, reduzierte Raumdramaturgie übersetzt. Begleitend erscheint ein zweisprachiger Katalog in Deutsch und Spanisch.

„Camuflajes“ wird nach Graz auch in Mexico City und Madrid zu sehen sein.

Teilen:

Beliebt