Eine Ausstellung, die gängige Bilder auf den Kopf stellt
Das Jüdische Museum Hohenems zeigt mit Die Morgenländer eine kulturhistorische Schau, die weit über klassische Museumsformate hinausgeht. Vom 16. November 2025 bis 4. Oktober 2026 lädt die Ausstellung dazu ein, die Entstehung der Orientwissenschaften aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Was hier sichtbar wird, ist nicht nur Gelehrsamkeit, sondern eine echte intellektuelle Suchbewegung: jüdische Forscherinnen und Forscher, die im 19. Jahrhundert im Orient Antworten auf die eigene Herkunft suchten.
Jüdische Wissenschaft als Motor einer neuen Orientforschung
Die Ausstellung macht deutlich, dass die Entwicklung der Islamwissenschaften, Arabistik und Orientalistik eng mit jüdischen Emanzipationsprozessen verbunden war. Zahlreiche jüdische Gelehrte reisten damals in die arabische Welt, um Quellen der eigenen Kultur zu studieren – und sie taten das mit einem ungewohnt selbstbewussten Blick. Diese Forschung sollte auch ein intellektueller Weg sein, sich aus den engen Zuschreibungen einer christlich dominierten Gesellschaft zu lösen.
Bemerkenswert ist dabei eine Erkenntnis, die heute aktueller wirkt denn je: Für viele dieser jüdischen Forscher galt der Orient nicht als exotisches Gegenüber, sondern als kulturelle Wurzel Europas. Das stellt zeitgenössische Klischees, Ängste und eingefahrene Debatten ganz bewusst in Frage.
Warum diese Ausstellung gerade jetzt relevant ist
In einer Zeit, in der Diskussionen über Identität, Herkunft und kulturelle Differenz oft festgefahren wirken, öffnet Die Morgenländer einen produktiven Raum. Wer die Schau besucht, erkennt schnell, wie unterschiedlich historische Perspektiven sein können – und wie eng Judentum, Islam und europäische Geistesgeschichte verwoben sind.
Besucherinnen und Besucher erleben, dass die eigene Herkunftssuche nie nur rückwärtsgewandt ist, sondern immer auch ein Impuls für Erneuerung, Offenheit und Selbstermächtigung.
Kuratiert auf internationalem Niveau
Hinter der Ausstellung steht ein hochkarätiges Team:
– Kuratorin Dr. Felicitas Heimann-Jelinek (Wien)
– Co-Kuratorin Dinah Ehrenfreund-Michler (Jüdisches Museum Hohenems)
Die Ausstellungsarchitektur stammt von Martin Kohlbauer, grafische Gestaltung von atelier stecher und Thomas Matt Grafikdesign. Zahlreiche internationale Künstlerinnen und Künstler waren für Animationen und visuelle Elemente beteiligt.
Die Schau kombiniert historische Dokumente, wissenschaftliche Materialien, Papyri, Fotografien und eindrucksvolle visuelle Inszenierungen – ein Museumsbesuch, der sowohl informiert als auch atmosphärisch wirkt.
Einblick in eine vielfältige Forschungsreise
Die Ausstellung erzählt von Abenteurern, Wissenschaftern und Intellektuellen, die sich zwischen Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten bewegten. Themen sind unter anderem:
- frühe jüdische Beiträge zur Arabistik
- die Suche nach historischen Quellen des Judentums in arabischen Ländern
- Begegnungen zwischen Kulturen
- die Rolle des Orients als Impulsgeber für europäische Moderne
Die Schau richtet sich an alle, die sich für jüdische Geschichte, die Beziehung zwischen Orient und Europa oder kulturwissenschaftliche Themen interessieren.
Standort und Besuch
Die Ausstellung ist im Jüdischen Museum Hohenems zu sehen, mitten im historischen Viertel der ehemaligen jüdischen Gemeinde.
Adresse: Schweizer Straße 5, 6845 Hohenems .
Geöffnet bis 4. Oktober 2026, damit ist sie ein idealer Tipp für Kulturreisen durch Vorarlberg und die Bodenseeregion – unabhängig von Jahreszeit, Wetter oder Aufenthaltsdauer.

