Vokalmusik, Akkordeon und die großen Klassiker
Die Wiener Hofmusikkapelle eröffnet das Jahr 2026 mit einem Programm, das Tradition und künstlerische Neugier auf bemerkenswerte Weise zusammenführt. Zwischen den festlichen Sonntagsmessen, gestaltet von den Wiener Sängerknaben, Mitgliedern des Herrenchors und des Orchesters der Wiener Staatsoper sowie der Choralschola, setzen besondere Konzertabende klangliche Akzente, die den historischen Raum der Hofburgkapelle in ein Zentrum vokaler und instrumentaler Gegenwart verwandeln.
Ein Jahresbeginn im Zeichen großer Meister
Den musikalischen Auftakt bildet am 4. Jänner Haydns Missa Sancti Nicolai. Damit öffnet sich eine Reihe von Sonntagsmessen, die im Jänner und Februar den Bogen von Mozart bis Schubert und Gallus spannen. Die Hofmusikkapelle bleibt ihrem jahrhundertealten Auftrag treu und verbindet liturgische Feierlichkeit mit musikalischer Exzellenz.
Jeden Sonntag um 9 Uhr fünfzehn formen Chor und Orchester ein Klangbild, das sich aus historischer Aufführungspraxis, vokaler Klarheit und dem unverwechselbaren Raum der Kapelle zusammensetzt.
Cantando Admont mit Unerhört schön
Am 16. Februar gastiert das Vokalensemble Cantando Admont in der Hofburgkapelle. Unter dem Titel Unerhört schön entsteht ein Dialog zwischen Stimme und Orgel, der historische und zeitgenössische Klangwelten miteinander verschränkt. Monteverdis selten aufgeführte Messa a quattro voci bildet den Ausgangspunkt für ein Programm, das durch Orgelminiaturen von György Kurtág und Friedrich Cerha erweitert wird. Werke von Sarah Nemtsov und Younghi Pagh-Paan vertiefen die Gegenwartsperspektive, während eine Uraufführung der chinesisch-deutschen Komponistin Ying Wang die berühmte Teufelsballszene aus Bulgakows Meister und Margarita in Klang übersetzt.
Wolfgang Kogert an der Orgel und Cordula Bürgi in der musikalischen Leitung begleiten das Ensemble durch ein Programm, das den Raum der Kapelle in ein vibrierendes Geflecht aus Stimmen und Resonanzen verwandelt.
Arnotto – ein Akkordeonkosmos in zwei Stimmen
Nur wenige Tage später, am 24. Februar, entsteht ein ganz anderer Klangraum. Otto Lechner und Arnaud Méthivier treten im Rahmen des Internationalen Akkordeonfestivals erstmals gemeinsam in der Hofburgkapelle auf. Ihr Duo Arnotto lebt von spontaner Interaktion und von einer musikalischen Sprache, die sich im Moment entfaltet.
Zwei Akkordeons, zwei Persönlichkeiten, ein gemeinsamer Atem. Ihre Improvisationen suchen nicht die schnelle Geste, sondern den vertieften Augenblick. Der enge Raum der Kapelle schafft dabei eine fast intime Nähe zwischen Musikern und Publikum.
Das Auner Quartett kehrt zurück
Im März setzt das Auner Quartett seinen Kammermusikzyklus fort. Das Ensemble, bestehend aus Daniel Auner, Cristian Ruscior, Gabriel Squizzato und Konstantin Zelenin, widmet sich einem Repertoire, das von Haydn und Schubert bis zu zeitgenössischen Werken von Johanna Doderer reicht. Die Hofburgkapelle bietet für diese Programme einen Rahmen, der sowohl Transparenz als auch Wärme fördert.
Zudem gestaltet das Quartett im April ein Benefizkonzert zugunsten der Austrian Doctors im Rahmen des Übergänge Festivals.
Übergänge Festival 2026
Vom 29. März bis 5. April findet das Übergänge Festival zum vierten Mal in der Hofburgkapelle statt. Es verbindet geistliche und weltliche Musik mit Literatur und rückt jene Momente des Wandels ins Zentrum, die Musik und Jahreszeit gleichermaßen prägen.
Zu den Höhepunkten zählen die Messen am Palmsonntag und Ostersonntag sowie die Mittagsreihe Impulse in der Hofburgkapelle. Nadja Kayali rezitiert Texte von fünf renommierten Schriftstellerinnen, die eigens für dieses Format und den Carinthischen Sommer geschrieben wurden. Musikalisch gestaltet wird die Reihe von der Company of Music.
Zwei Benefizkonzerte ergänzen das Festivalprogramm. Die Wiener Sängerrunde musiziert am 31. März Theodore Dubois’ Die sieben letzten Worte Christi, während das Auner Quartett am 3. April im Dienst einer guten Sache erneut zu erleben ist.
Ein Raum, der Klang trägt
Die Hofburgkapelle bleibt einer der besondersten Konzertorte der Stadt. Ihr historischer Charakter, die Nähe zum Publikum und die klare Akustik schaffen Bedingungen, in denen sowohl Renaissancepolyphonie als auch zeitgenössische Musik ihre Wirkung entfalten können. Das Konzertjahr 2026 zeigt, wie vielfältig dieser Raum genutzt werden kann: als Ort der Liturgie, als Bühne für Vokalkunst und als Resonanzraum für musikalische Experimente.

