7. November 2025 bis 22. Februar 2026 | OK Linz
Mit der Ausstellung „calorie“ widmet sich die österreichische Künstlerin Judith Fegerl einem Thema, das angesichts globaler Veränderungen aktueller kaum sein könnte. Wärme wird hier nicht nur als physikalische Größe verstanden, sondern als Prozess, der Körper, Räume und gesellschaftliche Strukturen gleichermaßen beeinflusst. Fegerl verbindet dafür technische Materialien, physische Energie und feministische Denkansätze zu einer dichten Reflexion über das Verhältnis zwischen Mensch, Technik und Umwelt.
Wärme als physische und politische Größe
Die Kalorie, einst als präzise Maßeinheit definiert – die Erwärmung von einem Gramm Wasser um ein Grad Celsius – ist heute weit mehr als eine naturwissenschaftliche Bezeichnung. Sie steht im Zentrum zahlreicher gesellschaftlicher Debatten, etwa rund um Ernährung, Körperbilder und Kontrolle. Gleichzeitig ist Wärme als Energieform eng mit Klimakrise, Produktion, Fortschritt und Ressourcenverbrauch verbunden.
Fegerl greift diese Bedeutungsfelder auf und zeigt, wie Wärme als unsichtbarer, aber wirkungsvoller Faktor sowohl private als auch politische Räume prägt. Ihre Werke thematisieren Energieflüsse, Körper, Temperaturgefüge und technische Systeme, die miteinander in ständiger Wechselwirkung stehen.
Ein Werk, das den Raum verändert
Wärme ist für das menschliche Auge unsichtbar – sie offenbart sich erst in Körperempfinden, Ausdehnung, Verdichtung, Materialverschiebung. Diese Prinzipien nutzt Fegerl seit Jahren in ihrem künstlerischen Schaffen. Im OK Linz erscheinen Arbeiten aus mehreren Schaffensphasen in neuen räumlichen Zusammenhängen, ergänzt durch speziell für diese Ausstellung geschaffene Werke.
Der Museumsraum selbst wird Teil des künstlerischen Prozesses. Materialien erwärmen sich, reagieren auf ihre Umgebung oder verändern den Raum subtil. Fegerls Arbeiten bewegen sich zwischen technischer Präzision und poetischer Verdichtung und machen sichtbar, wie Energie unsere Umwelt formt.
Aktuelle Relevanz thermischer Fragen
Die globale Erwärmung, Energieproduktion und das Spannungsfeld zwischen Fortschritt und Zerstörung bilden den kritischen Hintergrund dieser Schau. Zugleich verweist Fegerl auf Wärme als soziale Kraft – als Gegensatz zur gesellschaftlichen Kälte, als Element der Verbundenheit und als notwendige Bedingung für ein funktionierendes Zusammenleben.
Die Ausstellung eröffnet damit einen künstlerischen, sinnlichen und zugleich analytischen Zugang zu einem Thema, das sowohl physikalisch als auch politisch zentral ist.
Kuratorische Handschrift
Kuratiert wurde „calorie“ von Susanne Watzenboeck, die dem Thema einen präzisen, klar strukturierten Rahmen gibt und Fegerls Arbeiten in einer ruhigen, konzentrierten räumlichen Dramaturgie zeigt.

