Museen im Dezember: Neue Ausstellungen, Eröffnungen und Hidden Spots

Museen im Dezember in Österreich: Neue Ausstellungen, Eröffnungen und Hidden Spots

Warum der Dezember der beste Kulturmonat ist

Der Dezember bringt nicht nur Adventmärkte und Winterzauber, sondern auch eine besonders dichte Museumslandschaft. Viele Häuser eröffnen ihre großen Winterausstellungen genau jetzt, andere überraschen mit neuen Formaten oder selten gezeigten Sammlungsstücken. Perfekt für alle, die Kultur in ruhiger Jahreszeit genießen möchten – indoor, warm und mit viel Raum für Entdeckungen.

In diesem Überblick finden sich die wichtigsten neuen Ausstellungen, einige unerwartete Eröffnungen und mehrere Hidden Spots, die oft übersehen werden, aber gerade jetzt das gewisse Extra bieten.

Neue Ausstellungen im Dezember

Wien

Albertina modern – Marina Abramović Retrospektive

Die Albertina modern zeigt bis 1. März 2026 die erste große Österreich Retrospektive von Marina Abramović, einer der prägenden Figuren der internationalen Performancekunst. Präsentiert werden frühe Arbeiten aus Belgrad, gemeinsame Performances mit Ulay, ikonische Werke wie Balkan Baroque sowie spätere Video und Objektarbeiten. Mehrere Stationen laden zur aktiven Teilnahme ein. Eine Ausstellung, die Wien im Winter klar kulturell prägt und die Tradition der Performancekunst in der Stadt eindrucksvoll weiterführt.

Jüdisches Museum Wien – Schwarze Juden, Weiße Juden?

In der Dorotheergasse widmet sich das Jüdische Museum bis 26. April 2026 einer ebenso aktuellen wie vielschichtigen Ausstellung über Hautfarben, Selbstbilder und stereotype Zuschreibungen. „Schwarze Juden, Weiße Juden?“ beleuchtet historische und heutige Formen von Fremd- und Selbstwahrnehmung, die Rolle rassistischer Konstruktionen und die Erfahrungen von Jews of Color in Europa, den USA und Israel. Ein konzentrierter, gesellschaftlich relevanter Blick auf Identität, Ausgrenzung und die Vielfalt jüdischer Lebenswege.

Naturhistorisches Museum Wien – Two Views on Plants

Das NHM Wien zeigt mit Two Views on Plants bis 1. März 2026 eine außergewöhnliche 3D Fotografie Schau des international renommierten Kameramanns und Fotografen Sebastian Cramer. Die Ausstellung setzt Pflanzen in ein neues Licht: von detailreichen stereoskopischen Aufnahmen bis zu seltenen Einblicken in die wissenschaftliche Arbeit der Botanischen Sammlung, eine der größten Herbarien weltweit mit rund 5,5 Millionen Belegen. Cramers zeitgenössischer Zugang zur historischen Stereofotografie lädt dazu ein, Pflanzenvielfalt, Struktur und Wirkung aus völlig neuen Perspektiven zu erleben.

Salzburg

Museum der Moderne Salzburg – Rob Voerman: Entropic Empire

Am Mönchsberg zeigt das Museum der Moderne mit Entropic Empire (bis 8. März 2026) eine immersive Schau des niederländischen Künstlers Rob Voerman. Seine Grafiken, Fotografien und Installationen entwerfen Visionen einer postapokalyptischen Welt, in der Schönheit und Zerstörung ineinandergreifen. Verfallene Architekturen, organische Wucherungen und fragile Konstruktionen stellen grundlegende Fragen nach Moderne, Ideologie und Zukunftsfähigkeit. Eine versteckte Werkstatt im Ausstellungsraum lädt zudem zum eigenen Experimentieren ein – ein starker, atmosphärischer Programmpunkt im Salzburger Winter.

DomQuartier Salzburg – Heroisch und verklärt. Der Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur

Das DomQuartier zeigt bis 27. April 2026 eine Ausstellung des Salzburg Museum über die wechselhafte Deutung des Bauernkriegs von 1524–1526. Ausgangspunkt ist der Salzburger Aufstand von 1525, der das Erzstift an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Die Schau untersucht, wie Kunst und Literatur den „gemeinen Mann“ im Laufe der Jahrhunderte heroisierten, verzerrten oder politisch instrumentalisierten – bis hin zur propagandistischen Vereinnahmung durch autoritäre Regime im 20. Jahrhundert. Ein vielschichtiger Blick auf Erinnerung, Macht und historische Umbrüche.

Graz

Kunsthaus Graz – Emilija Škarnulytė: Waters call me home

Im Kunsthaus Graz ist bis 15. Februar 2026 die eindrucksvolle Einzelausstellung Waters call me home der litauischen Künstlerin Emilija Škarnulytė zu sehen. Ihre Filme und Installationen verbinden Dokumentarisches mit Imagination und führen in Bereiche, die jenseits menschlicher Wahrnehmung liegen – von geologischen Tiefen bis zu politischen und ökologischen Strukturen. Mit mythologischen Motiven und starken weiblichen Figuren schafft Škarnulytė im kuppelförmigen Space01 eine immersive Umgebung aus Video, Licht und Sound, die eine andere Sicht auf Zeit, Natur und Zukunft eröffnet.

Vorarlberg

Jüdisches Museum Hohenems – Die Morgenländer

Die neue Ausstellung Die Morgenländer läuft seit Mitte November und ist eines der wichtigsten kulturhistorischen Projekte dieses Winters in Österreich. Sie zeigt, wie jüdische Forscher im 19. Jahrhundert im Orient nach eigenen Wurzeln suchten und dabei die modernen Orientwissenschaften entscheidend prägten . Ein starker inhaltlicher Akzent im westlichen Österreich.

vorarlberg museum – Der atlantische Traum: Franz Plunder

Das vorarlberg museum widmet dem Bregenzer Abenteurer, Bildhauer und Bootsbauer Franz Plunder eine große Ausstellung, die noch bis Oktober 2026 zu sehen ist. Unter dem Titel Der atlantische Traum erzählt sie die außergewöhnliche Geschichte des Mannes, der 1923 mit seinem selbst gebauten Segelboot „Sowitasgoht V“ den Atlantik überquerte – eine Pionierleistung, die ihn zwischen Bregenz und den USA pendeln ließ. Die Schau verbindet Biografie, historische Dokumente und ein originalgetreues Bootsmodell mit einem immersiven Erlebnisraum, der die Überfahrt eindrucksvoll spürbar macht. Ein dritter Bereich öffnet das Plunder-Archiv und lädt dazu ein, anhand von Materialien, Rätseln und Dokumentationen tiefer in sein bewegtes Leben einzutauchen.

Besondere Eröffnungen und Programmpunkte

Wien – Haus der Geschichte Österreich – Eingestickt. Zur Erinnerung an 67 Menschen

Das Haus der Geschichte Österreich zeigt ab 11. Dezember 2025 eine stille, berührende Installation über die Erinnerung an 67 Menschen, die 1940 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim ermordet wurden. Ausgangspunkt ist ein Foto der zehnjährigen Elfi Schlager, das die Künstlerin Ulrike Wieser auf ein verdrängtes Kapitel der eigenen Familiengeschichte stößt. Gemeinsam mit der Historikerin Melanie Dejnega entsteht eine Serie aus 67 bestickten Fotografien, in denen Namen und Blumen die Opfer symbolisch in ihren Herkunftsorten und der Erinnerungskultur verankern. Eine reduzierte, eindringliche Ausstellung über das Sichtbarmachen von Leben, das ausgelöscht wurde – und über das Durchbrechen jahrzehntelangen Schweigens.

Linz – Ars Electronica Center – Deep Space 8K

Im Ars Electronica Center bietet der Deep Space 8K ein immersives Erlebnis, das weltweit zu den eindrucksvollsten digitalen Räumen zählt. Eine 16 mal 9 Meter große Wand- und Bodenprojektion, 50 Millionen Pixel und ein präzises Lasertrackingsystem schaffen eine Umgebung, in der virtuelle Realität, Wissenschaft und Kunst zusammenfließen. Besucher erleben atemberaubende Live-Shows, interaktive Medienkunst und Perspektiven auf die Welt, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Die täglichen Programme sind im regulären Museumsticket inkludiert und machen den Deep Space 8K zu einem der stärksten Winter-Tipps für digitale Kultur in Österreich

Hidden Spots, die im Dezember besonders glänzen

Wien: Bezirksmuseen mit Raritätenschätzen

Die Wiener Bezirksmuseen sind kleine Zeitkapseln – oft übersehen, aber voller Objekte, Geschichten und Fotos, die nirgendwo sonst gezeigt werden. Gerade im Dezember haben viele Sonderöffnungszeiten und bieten ruhige, intime Rundgänge.

Salzburg: Das Weihnachtsmuseum – aber anders als erwartet

Abseits von Kitsch entdecken Besucher des Salzburger Weihnachtsmuseums seltene historische Objekte, alte Glaskugeln, handgeschnitzte Krippen und einzigartige Fundstücke aus der Weihnachtsgeschichte. Ein stiller, sehr atmosphärischer Ort.

Graz: Schloss Eggenberg – Planetensaal im Winterlicht

Nur wenige wissen, dass der Planetensaal im Winter eine völlig andere Atmosphäre hat. Das natürliche Licht, die Ruhe und die ornamentale Architektur wirken intensiver als in den Sommermonaten.

Vorarlberg: Frauenmuseum Hittisau

Ein kleines Museum mit internationalem Ruf. Die wechselnden Ausstellungen zur Frauen- und Sozialgeschichte zählen zu den wichtigsten Hidden Spots des Landes. Besonders im Dezember lohnt sich der Besuch im Frauenmuseum Hittisau, weil das Haus oft zusätzliche Vermittlungsprogramme anbietet.

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